Faire Aufteilung ist kein Gefallen

Eine faire Aufteilung im Haushalt muss man sich weder verdienen noch erbitten, denn sie ist kein Gefallen, sondern ein überprüfbarer Zustand. Fair heißt dabei nicht gleich viele Aufgaben, sondern vergleichbare Gesamtlast einschließlich des Teils, den niemand sieht.

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Küchentisch nach dem Abendessen: beide Eltern beugen sich gemeinsam über ein handbeschriebenes Blatt, ein Bleistift liegt zwischen ihnen, das ältere Kind trägt Teller zur Arbeitsplatte, das jüngere kniet auf einem Stuhl und schaut auf das Blatt

In einer Studie mit Paaren, die gerade Eltern geworden waren, folgte die Zufriedenheit in der Beziehung nicht der tatsächlichen Aufteilung der Arbeit (Hiekel und Ivanova, 2023). Sie folgte der Frage, ob die beiden diese Aufteilung für gerecht hielten. Bei den Frauen zeigte sich dieser Zusammenhang, bei den Männern nicht.

Daraus lässt sich ein bequemer Schluss ziehen: Fairness sei bloß ein Gefühl, und ein Gefühl lässt sich in Zweifel ziehen. Dieser Schluss ist falsch. Wenn die Zufriedenheit gerade der empfundenen Gerechtigkeit folgt, dann ist sie eines der wichtigsten Dinge, die Sie zu Hause verwalten. Und was so viel Gewicht hat, überlässt man nicht demjenigen, der um halb elf abends besser argumentiert.

Gleich ist noch nicht gerecht

Der Psychologe John Stacy Adams formulierte 1965 etwas, das auch nach sechzig Jahren gilt. Menschen vergleichen keine absoluten Mengen. Sie vergleichen das Verhältnis von dem, was sie hineingeben, zu dem, was sie herausbekommen, und legen dieses Verhältnis neben das der anderen Person. Deshalb kann selbst eine Teilung genau in der Mitte beiden ungerecht vorkommen.

Zu Hause kommt eine zweite Schicht dazu. Zwei Aufgaben, die gleich lang dauern, müssen deshalb noch nicht gleich wiegen. Abwaschen sind fünfzehn Minuten, danach ist es erledigt und niemand denkt weiter daran. Im Blick zu behalten, dass die Anmeldung bis Mittwoch abgegeben wird, sind fünf Minuten Schreiben und drei Tage Mitdenken. Wer die Aufgabenliste halbiert, halbiert die Anzahl, nicht die Last.

Vier Dinge, ohne die sich Fairness nicht prüfen lässt

Soll Fairness ein Anspruch sein und kein Eindruck, muss es etwas geben, woraus sie sich ableiten lässt. Das ist die ganze methodische Hälfte, und sie steht auf vier Bedingungen.

Eine Einheit, die auch den unsichtbaren Teil erfasst. Minuten allein reichen nicht, weil sich ein Teil der Arbeit nicht mit der Stoppuhr messen lässt. Sie brauchen eine zweite Achse dafür, wie viel Kopf eine Aufgabe kostet: wie weit im Voraus man an sie denken muss, was passiert, wenn sie ausfällt, und ob sie überhaupt jemand anders übernehmen könnte.

Ganze Aufgaben statt Ausführungen. Die Soziologin Allison Daminger (2019) hat die mentale Arbeit im Haushalt in Vorausdenken, Recherchieren, Entscheiden und laufendes Beobachten zerlegt. Das Erledigen ist davon der letzte Schritt. Deshalb hat jede Aufgabe im Haushalt drei Phasen, und wer nur die letzte zählt, misst nur ihr Ende.

Kapazität statt Kopfzahl. Ein siebenjähriges Kind, ein Erwachsener nach der Nachtschicht und jemand in Elternzeit haben nicht dieselbe Obergrenze. Faire Aufteilung ist nicht der gleiche Anteil für alle, sondern vergleichbare Belastung im Verhältnis zu dem, was jemand tragen kann.

Ein vereinbartes Verfahren, kein vereinbartes Ergebnis. An dieser Bedingung scheitert es am häufigsten. Wer über das Ergebnis streitet, streitet endlos, weil beide von einem anderen Bild ausgehen. Wer sich zuerst darauf einigt, wie die Last gerechnet wird, kann auch eine Zahl annehmen, die ihm nicht gefällt. Genau dadurch wird aus einer Messung eine gemeinsame Grundlage und kein Beweismaterial.

Warum guter Wille nicht reicht

Hier beginnt die zweite Hälfte, die vom Verhalten. Die meisten Haushalte haben kein Problem mit den Werten. Beide Partner sagen, die Aufteilung solle gerecht sein, und beide meinen es ernst. Und trotzdem bewegt sich nichts.

Warum das so ist, zeigt ein Vergleich weit außerhalb des Haushalts. Eric Johnson und Daniel Goldstein verglichen 2003 die Zustimmung zur Organspende in Nachbarländern mit ähnlicher Kultur. Wo die Zustimmung aktiv erteilt werden musste, stimmten rund zwölf Prozent zu. Wo sie voreingestellt war und abgelehnt werden konnte, waren es fast hundert Prozent. Ähnliche Kultur, ähnliche Menschen, eine andere Voreinstellung.

Im Haushalt ist die Voreinstellung kein Formular, sondern ein Mensch. Man nennt ihn Default-Elternteil: die Person, bei der alles landet, was sich niemand ausdrücklich genommen hat. Ernannt hat sie niemand, und meist ist nicht einmal ein Satz darüber gefallen. Es zeigte sich einfach eines Tages, wer ans Telefon geht, wenn die Schule anruft, und dabei blieb es.

Dazu kommen zwei Dinge, die keine schlechten Menschen verursachen, sondern das ganz normale Gedächtnis. Die eigene Arbeit fällt einem leichter ein als die der anderen Person, und wenn beide ihren Anteil schätzen, ergibt die Summe mehr als hundert Prozent (Ross und Sicoly, 1979). Und eine Aufgabe, die beiden gehört, gehört in der Praxis niemandem, weil jeder darauf wartet, dass sie die andere Person übernimmt.

Was Verhalten wirklich ändert

Aus alldem folgt auch, was hilft. Nicht mehr Anstrengung, sondern drei Änderungen an der Verdrahtung.

Sichtbarkeit vor Motivation. Niemand repariert, was er nicht sieht. Solange die Last nur in zwei Köpfen steckt, wird nach dem korrigiert, wer sich gerade schlechter fühlt. Liegt sie draußen, wird nach dem korrigiert, wo der Unterschied tatsächlich ist.

Ein konkreter Plan statt eines Vorsatzes. Peter Gollwitzer und Paschal Sheeran fassten 2006 vierundneunzig unabhängige Tests zusammen. Wer vorher festlegt, wann und wo genau er etwas tut, zieht es deutlich häufiger durch als jemand, der sich nur vornimmt, sich mehr anzustrengen. „Ich helfe mehr mit“ ist ein Vorsatz. „Mittwochabend kaufe ich ein und die Liste schreibe ich selbst“ ist ein Plan.

Die Voreinstellung umbauen statt den Menschen umerziehen. Ändern Sie nicht die Person, ändern Sie das, was von allein passiert. Eine Aufgabe bekommt eine zuständige Person, die sie ganz hält, samt der ersten beiden Phasen. Eine Aufgabe ohne Zuständigkeit rutscht nämlich immer dorthin zurück, wo sie herkam. Und ab und zu setzen Sie sich hin und prüfen, ob es noch passt, denn Vereinbarungen, die niemand nachschaut, kehren still zur alten Einstellung zurück.

Warum Ihnen das zusteht

Die Begründungen, die man dafür hört, tragen nicht wirklich. Dass es einem zusteht, weil man so viel ausgehalten hat. Oder weil man es endlich ruhig erklärt und nicht laut geworden ist. Beides macht aus Fairness eine Belohnung für gutes Benehmen, die jemand anders vergibt.

Der eigentliche Grund ist einfacher. Ein Haushalt ist ein gemeinsamer Betrieb, und beide leben zu denselben Bedingungen darin. Niemand hat beim Einzug unterschrieben, dauerhaft die Schaltzentrale zu sein, die sich für alle anderen erinnert. Vereinbart wurde das nie, es hat sich nur so eingespielt.

Und noch etwas. Ein Anspruch, den man jede Woche neu rechtfertigen muss, ist kein Anspruch mehr, sondern eine Erlaubnis. Den Unterschied spürt man genau dann, wenn man sich am Dienstagabend hinsetzen möchte. Wer einen Anspruch hat, setzt sich hin. Wer eine Erlaubnis hat, überlegt erst, ob das jetzt geht, ob es schlecht aussieht und ob es später jemand erwähnt.

Deshalb lohnt es sich nicht, die faire Aufteilung zu verschieben, bis Ruhe einkehrt. Diese Ruhe kommt von nirgendwo. Sie kommt aus der Aufteilung, und zwar deutlich früher, als eine von zwei Personen erschöpft an ihre Grenze kommt.

Einen fairen Haushalt verdient man sich nicht dadurch, dass man am meisten aushält. Er steht Ihnen zu, weil Sie darin leben.

Wenn Sie statt einer weiteren Diskussion lieber eine Zahl hätten, auf der sich aufbauen lässt, dafür gibt es Family Fair Play. Es zeigt die Aufteilung so, wie sie heute aussieht, nicht so, wie sie jemand in Erinnerung hat.