Eine Autofahrt beginnt lange vor dem Losfahren

Der Mental Load einer Autofahrt liegt nicht am Steuer, sondern in der Vorbereitung: genauer Ort, Parken, Fußweg, Abfahrtszeit, was mitmuss und was passiert, wenn es schiefgeht. Studien zeigen, dass eine unbekannte Strecke eine andere Aufgabe ist als eine bekannte, dass die Parkplatzsuche kaum planbar ist und dass das Behalten einer Abfahrtszeit alles andere verlangsamt. Wer fährt, übernimmt nur das Ende der Aufgabe. Die Vorbereitung muss eigens erfasst und verteilt werden.

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Ein Elternteil prüft im stehenden Auto auf einem vollen Parkplatz das Telefon, die Kinder sitzen angeschnallt hinten.

„Bringst du sie am Samstag zum Turnier nach Landshut?“

„Mach ich. Wo ist das?“

„…“

„Na gut, schick mir die Adresse.“

Der letzte Satz klingt nach Übernahme einer Aufgabe. In Wirklichkeit ist es die Übernahme ihres Endes. „Schick mir die Adresse“ heißt: Find du heraus, wohin genau es geht, ob es die Halle ist oder der Platz dahinter, wo man dort parkt, wie weit es von da zu Fuß ist, wann wir also losmüssen, was die Kinder mitnehmen sollen und was wir machen, wenn der Parkplatz voll ist. Wenn du das durchdacht hast, fahre ich.

Das Fahren ist nicht der schwierigste Teil des Fahrens. Der anstrengendste Teil passiert davor, spielt sich komplett im Kopf ab und hinterlässt nichts, worauf man zeigen könnte.

Genau deshalb wird zu Hause nicht darüber gesprochen. Das Auto sieht man, die Kilometer sieht man, die Heimkehr um halb sieben sieht man. Die Stunde, die jemand am Abend davor mit Karte, Satellitenansicht und Veranstalterseite verbracht hat, sieht niemand, auch nicht die Person, die sie verbracht hat.

Entscheidungen, die fallen, bevor der Motor läuft

Nehmen wir diese unsichtbare Stunde auseinander. Sie ist keine einzelne Tätigkeit. Sie ist eine Reihe von Entscheidungen, von denen jede einmal und ordentlich getroffen werden muss, weil am Samstagmorgen keine Zeit bleibt, danach zu fragen.

  1. Wohin genau. Nicht die Stadt, sondern das Gebäude, der Eingang, das Stockwerk, die Hallennummer.
  2. Wie lange es dauert, zu genau dieser Uhrzeit an genau diesem Tag, nicht im Durchschnitt.
  3. Wo man parkt und ob es dort überhaupt geht. Kostet es etwas? Per App? Ist es eine Anwohnerzone?
  4. Wie weit es zu Fuß ist vom Parkplatz. Das ist der am häufigsten unterschätzte Posten der ganzen Fahrt.
  5. Wann man losmuss, und damit auch, wann man anfangen muss, Kinder und Sachen einzusammeln.
  6. Was mitmuss. Ausweis, Hallenschuhe, Getränke, Bargeld, Ladekabel, Regenjacke.
  7. Was, wenn es nicht klappt. Wo man sonst parken kann, wen man anruft, wie viel Verspätung drin ist.

Sieben Entscheidungen, und keine davon lässt sich am Steuer treffen. Alle müssen vorher erledigt sein. Und hier liegt der Kern: Wenn zwei Menschen eine Fahrt so „aufteilen“, dass eine Person fährt, haben sie die Fahrt nicht aufgeteilt. Sie haben ihren letzten Posten aufgeteilt.

Eine unbekannte Strecke ist eine andere Aufgabe als eine bekannte

Das ist kein Eindruck. Eine systematische Übersichtsarbeit von Harms, Burdett und Charlton aus dem Jahr 2021 hat 94 Studien dazu ausgewertet, wie sich das Fahrverhalten verändert, je nachdem, ob die Strecke bekannt ist. Das Ergebnis ist eindeutig: Auf einer bekannten Strecke sinkt der Bedarf an bewusster Kontrolle, die Gedanken dürfen abschweifen. Auf einer unbekannten geht das nicht, weil neben dem Fahren ständig Routenplanung, Informationssuche und Problemlösung laufen.

Eine Messung an neun Kreuzungen im chinesischen Changsha aus dem Jahr 2022 hat das sogar an den Augen gezeigt. Vierundzwanzig Fahrende, die Hälfte kannte die Strecke, die andere Hälfte nicht. Wer sie nicht kannte, brauchte länger für die Informationsverarbeitung und hatte eine höhere mentale Belastung. Wer sie kannte, hatte Kapazität für die Umgebung: Diese Gruppe schaute um 42,9 % häufiger in die Rückspiegel.

Übersetzt in den Haushalt: Dieselbe Entfernung ist nicht dieselbe Aufgabe. Zwanzig Kilometer auf einer Strecke, die man seit fünf Jahren fährt, und zwanzig Kilometer zu einem Ort, an dem man nie war, sind zwei verschiedene Arbeiten, auch wenn sie im Kalender gleich aussehen. Der Unterschied liegt nicht in den Kilometern. Er liegt in dem, was man vorher wissen musste.

Parken ist eine eigene Aufgabe, die niemand mitzählt

Der Ökonom Donald Shoup von der UCLA hat 2006 Messungen zur Parkplatzsuche aus Studien der Jahre 1927 bis 2001 zusammengefasst. Einen Platz am Straßenrand zu finden, dauerte in überfüllten Innenstädten 3,5 bis 14 Minuten, und mit der Parkplatzsuche war zu diesem Zeitpunkt 8 bis 74 % des gesamten Verkehrs in der Umgebung beschäftigt.

Diese Spanne ist wichtiger als die Zahlen selbst. Es heißt nicht „rechne fünf Minuten dazu“. Es ist ein Intervall, das man nicht treffen kann, und deshalb muss man mit dem schlechteren Ende rechnen. Wer eine Fahrt an einen unbekannten Ort plant, entscheidet nicht über fünf Minuten. Er oder sie entscheidet, wie viel Unsicherheit man sich leistet und was man dafür vom Morgen opfert.

Und diese Unsicherheit ist nicht gratis. Die Verkehrsökonomie kann sie sogar bewerten: Das Verhältnis, das den Wert einer verlässlichen Ankunft mit dem Wert der Fahrzeit selbst vergleicht, liegt in Übersichtsarbeiten etwa zwischen 0,5 und 3,3, und für Autofahrten wird am häufigsten ein Wert um 0,8 bis 1,3 genannt. Anders gesagt: Eine Minute Unsicherheit darüber, wann ich ankomme, kostet ungefähr so viel wie eine Minute tatsächlicher Fahrt. Aufgeschrieben wird sie trotzdem nie, weil sie sich nicht auf der Straße abspielt, sondern im Kopf der Person, die die Fahrt vorbereitet hat.

Warum es müde macht, obwohl Sie noch gar nicht unterwegs sind

Hier wirken zwei Mechanismen, und beide sind gemessen.

Der erste ist der Puffer. Menschen unterschätzen systematisch, wie lange etwas dauert. Die klassische Messung von Buehler, Griffin und Ross aus dem Jahr 1994 ließ 37 Studierende schätzen, wann sie ihre Abschlussarbeit fertig haben. Die durchschnittliche Schätzung lag bei 33,9 Tagen, die Wirklichkeit bei 55,5 Tagen, und den selbst gesetzten Termin hielten etwa 30 % ein. Ein Puffer für die Fahrt ist also keine Charaktersache. Er ist eine bewusste Korrektur der eigenen Schätzung, und jemand muss sie absichtlich vornehmen, gegen die eigene Intuition. Das ist eine Entscheidung, keine Gewohnheit.

Der zweite ist das Im-Kopf-Behalten. In der Gedächtnispsychologie heißt das prospektives Gedächtnis: sich merken, dass um 16:10 Uhr etwas zu tun ist. Eine Studie von Rebekah Smith aus dem Jahr 2003 zeigte etwas, das sich zu Hause niemand eingesteht: Allein das Festhalten einer solchen Absicht verlangsamt messbar, was man in der Zwischenzeit tut. Es geht nicht darum, die Abfahrt zu vergessen. Es geht darum, dass man die ganze Zeit, in der man daran denkt, an zwei Dingen gleichzeitig arbeitet.

Das ist die Antwort auf den Satz „Ist doch nichts, wir fahren um sieben los“. Es ist nichts, wenn Sie es nicht im Kopf behalten müssen. Wenn doch, zahlen Sie dafür die ganze Zeit bis zur Abfahrt.

Wo genau die Arbeit übergeben wird

Der niederländische Psychologe John Michon hat schon 1985 ein Modell beschrieben, das die Verkehrspsychologie bis heute nutzt: Fahren läuft gleichzeitig auf drei Ebenen. Die strategische entscheidet, wohin es geht, über welche Route, wann man losmuss und was man noch schafft. Wichtig ist, dass sie auch vor der Fahrt stattfindet, im Maßstab von Minuten bis Stunden. Die taktische überholt und biegt während der Fahrt ab. Die operative hält Spur und Abstand.

Der Satz „Mach ich, schick mir die Adresse“ übernimmt die zweite und dritte Ebene. Die erste bleibt genau dort, wo sie war. Es ist dieselbe Trennlinie, die jede Hausarbeit hat: drei Phasen, nämlich bemerken, entscheiden und erledigen. Die Autofahrt hat sie nur ungewöhnlich scharf: Die erste Phase findet räumlich und zeitlich an einem anderen Ort und Tag statt als die zweite und dritte.

Die Soziologin Allison Daminger hat 2019 in ihrer Studie über die kognitive Seite der Hausarbeit diese Denkschicht in vier Bestandteile zerlegt: einen Bedarf vorhersehen, Möglichkeiten finden, entscheiden und laufend im Blick behalten. Die Vorbereitung einer Fahrt enthält alle vier in Reinform. Daminger fand außerdem, dass in 26 von 32 untersuchten heterosexuellen Paaren die Frauen mehr von dieser Schicht trugen als die Männer, am deutlichsten beim Vorhersehen und Im-Blick-Behalten.

Dazu kommt eine Verantwortung, die die meisten Hausarbeiten nicht haben. Ist der Plan schlecht, kann ihn um halb fünf auf der Autobahn niemand mehr übernehmen. Und für die Sicherheit der Kinder im Auto haftet die fahrende Person selbst: Nach § 21 Abs. 1a StVO dürfen Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 Zentimeter sind, nur mit einer passenden Kinderrückhalteeinrichtung mitgenommen werden. Planung und Fahrt sind also Aufgaben mit einem einzigen Ausfallpunkt, und das ist bei Hausarbeit nicht üblich.

Fünf praktische Schlussfolgerungen

  1. Teilen Sie Fahrten danach auf, ob schon jemand dort war. Die erste Fahrt an einen neuen Ort und die fünfte Fahrt an denselben Ort sind nicht dieselbe Aufgabe. Wer zum ersten Mal fährt, erkundet neben dem Fahren. Wenn Sie sich bei Fahrten abwechseln, wechseln Sie sich auch bei den ersten ab, nicht nur bei den eingespielten.
  2. Erkundet wird einmal, also legen Sie es irgendwo ab. Adresse, wo man parkt, wie weit es zu Fuß ist, wo der Eingang ist. Solange das nur im Kopf einer Person lebt, braucht jede weitere Fahrt sie wieder, auch wenn die andere fährt. Schreiben Sie es einmal dort auf, wo auch die andere Person es findet: beim Termin im geteilten Kalender oder in einer gemeinsamen Notiz auf dem Handy.
  3. Fragen Sie nicht nach der Adresse, fragen Sie nach Entscheidungen. Der Unterschied zwischen „schick mir die Adresse“ und „ich finde alles heraus und sage dir, wann wir losfahren“ ist diese ganze Arbeit. Wenn Sie eine Fahrt übernehmen, übernehmen Sie auch die Erkundung. Wenn Sie dafür keine Zeit haben, sagen Sie es offen, damit es wenigstens nicht nach Übernahme der ganzen Aufgabe aussieht.
  4. Vereinbaren Sie den Puffer laut und mit einer Zahl. Nicht „wir fahren so gegen sieben“, sondern „wir fahren um 6:50 los, Puffer zwanzig Minuten“. Ein Puffer, den eine Person allein im Kopf trägt, ist ein weiterer Posten, den sie allein bewacht. Ein laut ausgesprochener Puffer ist eine Abmachung, und das System bewacht sie.
  5. Senken Sie nach der ersten Fahrt die Zahl. Wenn beide schon einmal dort waren, kostet die Fahrt wirklich weniger. Behält sie in der Aufteilung ihr ursprüngliches Gewicht, wird das System unwahr, und ein unwahres System hört irgendwann jemand auf zu nutzen. Umgekehrt gilt dasselbe: Ein neuer Ort im Kalender heißt, dass jemandem wieder eine Stunde dazugekommen ist, die niemand sieht.

So erfassen Sie diese Arbeit, damit man sie sieht

Family Fair Play misst Hausarbeit in zwei Größen zugleich: in Minuten und in einem Belastungswert, der zur Zeit mentale Organisation, Wichtigkeit und Ersetzbarkeit hinzurechnet. Für Fahrten ist entscheidend, dass die App bei jeder Aufgabe zwei Rollen unterscheidet. Wer führt aus? ist die Person, die fährt. Wer plant? ist die Person, die herausgefunden hat, wohin, wo man parkt und wann man losmuss. Genau um diese Linie geht es am Samstagmorgen.

Dass das keine Kosmetik ist, zeigt der Aufgabenkatalog selbst. Die Vorlage „Fahren zu Aktivitäten / Nachmittagsbetreuung“ hat die Standardwerte 2 für mentale Organisation, 3 für Wichtigkeit und 2 für Ersetzbarkeit. Die Vorlage „Aktivitäten suchen und anmelden“ hat 4, 3 und 4. Mit den Standardgewichten der App, also mentale Organisation mal drei, Wichtigkeit mal zwei und Ersetzbarkeit mal eins, ergeben sich 14 Punkte für eine Fahrt und 22 Punkte für eine Planung. Beide Aufgaben haben dabei eine Standarddauer von dreißig Minuten. Gleiche Zeit, über die Hälfte mehr Punkte auf der Seite der Planung.

Wenn die Vorbereitung als eigener Posten erfasst ist, misst der Fairness-Index nicht mehr die Zahl der Fahrten, sondern das, was an ihnen wirklich müde macht. In der Praxis zeigt sich meist dasselbe: Die Fahrten sind recht ordentlich verteilt, und die Vorbereitung liegt komplett auf einem Namen. Mit diesem Befund lässt sich etwas anfangen. Das Gefühl „ich mache mehr“ lässt sich nicht aufteilen. Die Vorbereitung der Samstagsfahrt schon.

Die Frage, die Sie sich zu Hause stellen sollten

Die Vorbereitung einer Fahrt ist ein besonderer Fall unsichtbarer Arbeit. Sie ist nicht unsichtbar, weil sie langweilig oder klein wäre. Sie ist unsichtbar, weil sie am Donnerstagabend am Handy passiert, während die anderen fernsehen, und am Samstagmorgen nur noch still funktioniert. Wenn sie funktioniert, bemerkt sie niemand. Bemerkt wird sie erst, wenn sie einmal nicht funktioniert, und dann heißt sie Fehler.

Die Frage zu Hause lautet deshalb nicht „Wer fährt sie am Samstag?“. Sie lautet „Wer hat herausgefunden, wo man dort parkt?“. Die erste Frage teilt den Morgen auf. Die zweite teilt die Woche davor auf, und genau das ist der Teil, nach dem man müde ist, ohne zu wissen, warum.